Unternehmergeist & Fehlerkultur: Österreich hinkt hinterher

Posted by on Feb 10, 2014 in Allgemein | No Comments

Unternehmer & FehlerkulturSie kennen das vielleicht: Sie sitzen bei einer Englisch-Schularbeit und möchten einen differenzierten Gedanken formulieren. Aus Angst Fehler zu machen, bringen Sie aber lieber eine Plattitüde in simpler Sprache zu Papier. Auf den komplexen Gedanken verzichten Sie. Und damit auch auf die Weiterentwicklung der Sprachkenntnisse. Letztlich auch auf Ihre Wettbewerbsfähigkeit – denn im richtigen Leben hat man nicht immer die Wahl, Herausforderungen einfach weiträumig zu umschiffen. Wer nur danach trachtet, Fehler zu vermeiden, kommt nicht wirklich voran. Was für Schüler mit Rotstift-Panik gilt, ist auch in der Wirtschaft ein drängendes Problem.

Unternehmertum in Österreich – Wie viel Veränderung vertragen wir?

Die Thematik ist in einem breiteren Kontext zu sehen und wohl auch eine Frage der Mentalität. Unter dem Titel Wirtschaft Wissenschaft Unplugged laden Erste Group, Wirtschaftsuniversität Wien und Die Presse seit Ende letzten Jahres zu einer Veranstaltungsreihe. Im Zentrum stehen dabei der Wirtschaftsstandort Österreich – v.a. in Hinblick auf Unternehmertum und Hindernisse für Entrepreneure. Renommierte Manager und Professoren nehmen dabei praxisnah zu aktuellen Themen Stellung. Welche Erkenntnisse konnten bisher gewonnen werden?

Bei der Auftaktveranstaltung waren Voest-Chef Wolfgang Eder und WU-Professor Jonas Puck geladen und diskutierten darüber, ob der Wirtschaftsstandort Österreich „abgesandelt“ sei – verbunden mit der Frage, wie man ihn (wieder) zukunftsfit machen kann. Einig waren sich beide darin, dass einer gut ausgeprägten „emotionalen und sozialen Kompetenz“ ein in vielen Bereichen mangelnder Wille zu Veränderung gegenübersteht.

Fehler sind dazu da vermieden gemacht zu werden!

Ich möchte diesen Aspekt ergänzen um eine schwach entwickelte Kultur mit Fehlern umzugehen. Etwas Neues einfach anpacken, ausprobieren und notfalls auch zu scheitern – die Mischung klingt nicht wirklich rot-weiß-rot. Das Stigma, einmal gescheitert zu sein, wird man hierzulande häufig ein Leben lang nicht mehr los. Anders im Silicon Valley, wo eine Pleite im Lebenslauf geradezu zum guten Ton gehört.

Warum ist das so? Der Mut zum Lapsus ist – siehe oben – eine geradezu notwendige Voraussetzung für echtes Lernen und persönliche Weiterentwicklung. Viele unterschiedliche Fehler in kurzer Zeit sind in Branchen mit hohem Innovationsdruck häufig auch Ausdruck dynamischer Entwicklungen. Der Grat, der zwischen notwendiger Fehlerbeseitigung im Projektmanagement und dem Abwürgen von Innovationen liegt, ist ein sehr schmaler. Der richtige Umgang mit Fehlern – und dazu gehört unbedingt das Zulassen von Fehlern! – wird für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes zukünftig jedenfalls eine entscheidende Herausforderung sein. Denn Innovationszüge sind schnell verpasst.


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